Daten-basiert eingeordnet

751 Gruppenvergewaltigungen in einem Jahr — explodiert die Zahl?

Die Zahl stimmt: 2025 erfasste die Polizei 751 gemeinschaftlich begangene Vergewaltigungen (inkl. Versuche) mit 772 Opfern. Aber „explodiert" trifft es nicht: Seit 2018 pendelt die Zahl relativ stabil zwischen rund 660 und 790 – 2025 ging sie sogar leicht zurück. Der einzige große Sprung liegt zwischen 2017 und 2018, und der ist vor allem ein Datenbruch durch die Reform des Sexualstrafrechts, keine reale Verdopplung. Und: „Gruppenvergewaltigung" ist kein eigener Straftatbestand, sondern eine Sonderauswertung.

Erfasste Fälle pro Jahr — seit 2018 relativ stabil

Gemeinschaftlich begangene Vergewaltigungen (§ 177 StGB), inkl. Versuche. Werte vor 2018 sind wegen einer Rechts- und Methodenänderung nicht direkt vergleichbar (gestrichelte Linie). Für die genauen Zahlen über die Balken fahren oder tippen.

vor 2018 (Datenbruch)vergleichbare Jahrejüngstes Jahr

Tatverdächtige nach Staatsangehörigkeit (2024)

1.011 Tatverdächtige insgesamt. Anteile, keine Verurteilungen – die Einordnung unter dem Diagramm erklärt, warum die blanke Quote nicht für sich spricht. Für die genauen Zahlen über den Balken fahren oder tippen.

deutsch: 49,1 %nichtdeutsch: 50,9 %

Gemessen an der Gruppengröße (2024)

Ein 50/50-Anteil an den Tatverdächtigen heißt nicht 50/50-Belastung: Die beiden Gruppen sind unterschiedlich groß. Hier die Tatverdächtigen bezogen auf je 100.000 Einwohner der jeweiligen Gruppe.

GruppeEinwohnerTatverd.je 100.000
deutsch71,2 Mio.85,2 %4960,7
nichtdeutsch12,4 Mio.14,8 %5154,2

Auf die Einwohnerzahl bezogen ist die Tatverdächtigen-Rate bei nichtdeutschen Personen rund 6-mal so hoch wie bei deutschen – obwohl der Anteil an den Tatverdächtigen fast gleich ist. Grund: Die ausländische Bevölkerung ist rund sechsmal kleiner.

Wichtig zur Einordnung: Diese Rate überzeichnet den Abstand systematisch. Die PKS zählt Tatverdächtige (nicht Verurteilte) und erfasst auch nicht in Deutschland Wohnende (Reisende, Durchreisende, Personen ohne Meldung) – die zählen bei den Tatverdächtigen mit, aber nicht bei den Einwohnern.

Zudem sind die Gruppen strukturell verschieden: Tatverdächtige dieser Tat sind fast ausschließlich junge Männer, und die ausländische Bevölkerung ist deutlich jünger und männlicher als die deutsche. Ein fairer Vergleich müsste Alter und Geschlecht herausrechnen – das tut diese einfache Rate nicht.

Bevölkerung: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung am 31.12.2024. Tatverdächtige: PKS-Sonderauswertung 2024.

Einordnung

Zur nackten Zahl zuerst: Ja, 751 Fälle ist korrekt. 2025 zählte die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 751 gemeinschaftlich begangene Vergewaltigungen und Versuche, dazu 772 Opfer und 1.087 Tatverdächtige. Gegenüber 2024 ist das ein Rückgang um rund 4,7 %. Das ist ein ernstes Kriminalitätsfeld – daran gibt es nichts zu beschönigen.

Aber „explodiert" ist die falsche Vokabel. Seit 2018 bewegt sich die Zahl in einem relativ engen Korridor: 659 (2018), 710 (2019), 704 (2020), 677 (2021), 789 (2022), 761 (2023), 788 (2024), 751 (2025). Es gibt Schwankungen, aber keinen steilen Aufwärtstrend – 2025 lag sogar unter mehreren Vorjahren.

Der einzige große Sprung liegt zwischen 2017 (380) und 2018 (659). Der sieht nach Verdopplung aus, ist aber vor allem ein Datenbruch: Mit der Reform des Sexualstrafrechts 2016 („Nein heißt Nein") und Umstellungen in der PKS wurde neu und breiter erfasst, was als Vergewaltigung zählt. Der Bund weist selbst darauf hin, dass die Werte über diesen Bruch hinweg nicht direkt vergleichbar sind. Wer 2017 mit heute vergleicht, misst also auch die geänderte Zählweise mit.

Wichtig fürs Einordnen: „Gruppenvergewaltigung" ist kein eigener Straftatbestand. Die Zahl entsteht durch eine Sonderauswertung – Vergewaltigung nach § 177 StGB, kombiniert mit dem Merkmal „mehr als ein Tatverdächtiger". Je nach genauer Abgrenzung kursieren deshalb leicht abweichende Zahlen für dasselbe Jahr.

Zur Nationalität der Tatverdächtigen, weil danach oft gefragt wird: Es ist ungefähr halbe-halbe. 2024 waren von 1.011 Tatverdächtigen 50,9 % nichtdeutsch und 49,1 % deutsch (2023: 47,5 % nichtdeutsch). Gemessen am Bevölkerungsanteil sind ausländische Tatverdächtige damit überrepräsentiert. Diese Rohzahl allein trägt aber keine einfache Erklärung: Die PKS zählt Tatverdächtige, keine Verurteilten, sie enthält auch nicht in Deutschland Wohnende (etwa Reisende), und sie bildet eine andere Alters- und Geschlechtsstruktur ab – junge Männer sind bei dieser Tat überall die Hauptgruppe. Ein seriöser Vergleich müsste diese Struktur herausrechnen; die blanke Quote „X % Ausländer" tut das nicht.

Quelle & Methodik: Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA) sowie Sonderauswertungen / Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen zu gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigungen (§ 177 StGB, „mehr als ein Tatverdächtiger"). Fallzahlen 2017–2025 inkl. Versuchen; 2025: 751 Fälle, 772 Opfer, 1.087 Tatverdächtige (−4,7 % ggü. 2024). Nationalitäten-Split 2024: 1.011 Tatverdächtige, 50,9 % nichtdeutsch / 49,1 % deutsch (2023: 47,5 % nichtdeutsch). Hinweis: „Gruppenvergewaltigung" ist kein eigener Straftatbestand; wegen Rechts- und Methodenänderungen sind Werte vor 2018 nicht direkt vergleichbar.

DS-GRUPPENVERGEWALTIGUNG-2025 · Stand: 07. Juli 2026