Sind Ausländer krimineller als Deutsche?
Teils – aber die rohe Zahl führt in die Irre. Ja, die Tatverdächtigen-Quote ist für die meisten nichtdeutschen Gruppen höher als bei Deutschen (1,9 %). Rechnet man die Delikte heraus, die nur Nichtdeutsche überhaupt begehen können (illegale Einreise, Aufenthaltsverstöße), sinken die Spitzen deutlich: Syrien von 11,2 auf 5,6 %, Afghanistan von 14,6 auf 6,2 %. Aber auch bereinigt bleibt ein realer Abstand – mehrere Gruppen liegen beim Doppelten bis Dreifachen des deutschen Werts. Warum, lässt sich aus dieser Statistik allein nicht beantworten.
Tatverdächtige je 100 Einwohner der Gruppe
Bereinigt: ohne rein ausländerrechtliche Delikte (Verstöße gegen Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz). Diese kann per Definition nur begehen, wer kein deutscher Staatsbürger ist — der Vergleich mit Deutschen wird dadurch fairer.
Wichtig zur Einordnung: Der Nenner ist die in Deutschland gemeldete Wohnbevölkerung. Tatverdächtige umfassen aber auch Personen ohne Wohnsitz (Durchreisende, Grenzpendler, Menschen ohne geklärten Aufenthalt) — die rohe Quote überschätzt die Belastung nichtdeutscher Gruppen daher strukturell. Zudem sind die Gruppen nach Alter und Geschlecht unterschiedlich zusammengesetzt (junge Männer sind in jeder Bevölkerung häufiger tatverdächtig); diese Quote ist nicht alters-/geschlechtsbereinigt. Tatverdächtig heißt nicht verurteilt.
Zähler: BKA — Polizeiliche Kriminalstatistik, Tabelle T62 (2023). Nenner: Destatis / Ausländerzentralregister (AZR), Tab. 12521.
Einordnung
Die Kennzahl beantwortet die Frage fair: Sie zählt Tatverdächtige einer Herkunft im Verhältnis zur in Deutschland gemeldeten Bevölkerung derselben Herkunft – nicht an der Gesamtbevölkerung. So werden große und kleine Gruppen vergleichbar, statt absolute Fallzahlen gegeneinander zu stellen.
Der Umschalter roh ↔ bereinigt ist der Kern: Rein ausländerrechtliche Delikte (Verstöße gegen Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz) kann per Definition nur begehen, wer kein deutscher Staatsbürger ist. Sie in einen Vergleich mit Deutschen einzurechnen, ist unfair. Bereinigt man sie heraus, sinkt die Quote der Nichtdeutschen insgesamt von 6,6 auf 4,7 %, bei Fluchtherkünften noch deutlicher.
Wichtig zur Ehrlichkeit: Auch bereinigt bleibt ein deutlicher Abstand. Nichtdeutsche insgesamt liegen bei 4,7 % gegenüber 1,9 % bei Deutschen, Afghanistan bei 6,2 % – also rund beim Zweieinhalb- bis Dreifachen. Das ist real und lässt sich nicht wegrechnen. Bereinigt heißt nur: die Delikte, die Deutsche gar nicht begehen können, sind raus – nicht, dass kein Unterschied mehr bestünde.
Was diese Statistik nicht leistet: Sie ist nicht nach Alter und Geschlecht bereinigt. Junge Männer sind in jeder Bevölkerung – auch der deutschen – häufiger tatverdächtig, und zugewanderte Gruppen sind im Schnitt jünger und männlicher. Zudem zählt der Zähler auch Tatverdächtige ohne Wohnsitz in Deutschland (Durchreisende, Menschen ohne geklärten Aufenthalt), die im Nenner fehlen. Beides kann den Abstand verkleinern – aber wir haben es hier nicht herausgerechnet und behaupten deshalb auch nicht, dass es ihn vollständig erklärt.
Und: Tatverdächtig heißt nicht verurteilt. Die PKS erfasst polizeiliche Verdachtsfälle, nicht gerichtlich festgestellte Schuld. Zwei Dinge stimmen damit gleichzeitig: Die pauschale Parole „Ausländer sind kriminell" ist in ihrer rohen Wucht nicht haltbar – ein großer Teil des Abstands sind Delikte, die Deutsche per Definition nicht begehen können. Und trotzdem bleibt auch nach Bereinigung eine erhöhte Quote, die diese Daten allein nicht erklären. Wer eine der beiden Hälften weglässt, verzerrt – in die eine oder die andere Richtung.