Video22.08.2026English

Führt Migration zu mehr Kriminalität?

Hintergrund & Einordnung

Die langfristige Betrachtung spricht gegen einen einfachen Satz wie „mehr Migration bedeutet automatisch mehr Kriminalität“. Der Mediendienst Integration verweist darauf, dass die Zahl ausländischer Einwohner seit 2005 stark gestiegen ist, während die allgemeine Kriminalitätsrate ohne ausländerrechtliche Verstöße gesunken ist.

Auch die Gewaltkriminalitätsrate lag 2025 ungefähr auf dem Niveau von 2005. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Migration grundsätzlich keinen Einfluss auf einzelne Kriminalitätsbereiche oder Gruppen haben kann.

Der Mediendienst weist selbst darauf hin, dass die Forschung nicht eindeutig ist und einzelne Studien Zusammenhänge bei bestimmten Gruppen und Delikten finden. Eine zusätzliche Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2023 bis 2025 zeigt, warum die Gesamtsumme allein nicht ausreicht.

Die ausländische Wohnbevölkerung stieg in diesem Zeitraum um rund 1,3 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße um rund 2,5 Prozent – von 694.981 auf 677.951.

Bei der Gewaltkriminalität entwickelte sich die Zahl jedoch in die andere Richtung: Nichtdeutsche Tatverdächtige stiegen von 79.088 auf 82.565, ein Plus von rund 4,4 Prozent. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen lag bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße 2025 bei 35,5 Prozent, bei Gewaltkriminalität dagegen bei 42,9 Prozent.

Noch deutlicher werden die Unterschiede bei einzelnen Staatsangehörigkeiten. Zwischen 2023 und 2025 sank die syrische Wohnbevölkerung um rund 3,7 Prozent, während die Zahl syrischer Tatverdächtiger bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße um rund 6,8 Prozent und bei Gewaltkriminalität um rund 19,5 Prozent stieg.

Bei ukrainischen Staatsangehörigen wuchs die Bevölkerung um rund 13,7 Prozent, die Zahl der Tatverdächtigen ohne ausländerrechtliche Verstöße um rund 22 Prozent und bei Gewaltkriminalität um rund 67 Prozent. Bei Polen gingen dagegen sowohl Bevölkerung als auch Tatverdächtigenzahlen zurück; bei Rumänen blieb die Gewaltentwicklung weitgehend stabil.

Diese Unterschiede belegen keine einfache Kausalität durch Herkunft oder Migration. Polizeistatistiken erfassen Tatverdächtige und nicht Verurteilte; nichtdeutsche Tatverdächtige können zudem Personen ohne dauerhaften Wohnsitz in Deutschland umfassen.

Alter, Geschlecht, soziale Lage und regionale Faktoren unterscheiden sich zwischen den Gruppen. Die Daten zeigen deshalb vor allem eines: Eine langfristig sinkende Gesamtrate widerlegt nicht automatisch unterschiedliche Entwicklungen innerhalb einzelner Delikte und Bevölkerungsgruppen – genauso wenig beweisen erhöhte Tatverdächtigenanteile allein, dass Migration deren Ursache ist.

Nichtdeutsche Tatverdächtige: Gesamt sinkt – Gewalt bleibt über 2023

Entwicklung bei nichtdeutschen Tatverdächtigen und ausländischer Wohnbevölkerung, Index 2023 = 100. Für die genauen Werte über die Punkte fahren oder tippen.

Entwicklung nichtdeutscher Tatverdächtiger und ausländischer Wohnbevölkerung 2023–2025, absolute Werte und Index (2023 = 100). Quellen: Destatis/AZR 12521-0003 und BKA PKS T62.
JahrAusländische BevölkerungNichtdeutsche TV – ohne AusländerrechtNichtdeutsche TV – Gewalt
absolutIndex (2023 = 100)absolutIndex (2023 = 100)absolutIndex (2023 = 100)
202313.895.865100,0694.981100,079.088100,0
202414.061.640101,2696.873100,385.012107,5
202514.070.225101,3677.95197,582.565104,4
Ausländische BevölkerungNichtdeutsche TV – ohne AusländerrechtNichtdeutsche TV – Gewalt

Die Gesamtsumme erzählt eine richtige Geschichte – aber nicht die ganze.

Bevölkerung: Destatis / Ausländerzentralregister (AZR), Tab. 12521-0003, Stichtag 31.12. Tatverdächtige: BKA PKS T62 (nichtdeutsch), Gewaltkriminalität bzw. Gesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße.

Artikelprofil

Dramatisierung

Gering

2/10

niedrighoch
höhere Kriminalitätsbelastung

Der Artikel schildert das Thema weitgehend nüchtern, ohne dramatische Überhöhung.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse1 / 4

Moralisierung

Gering

1/10

niedrighoch

Die Darstellung verzichtet weitgehend auf moralische Wertungen.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse2 / 4

Zuspitzung

Gering

2/10

niedrighoch

Der Artikel differenziert und verzichtet auf konfrontative Zuspitzung.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse3 / 4

Sachlichkeit

Hoch

9/10

niedrighoch
nicht erhöhtnicht klarkein direkter Zusammenhangnicht eindeutig

Der Artikel ist überwiegend sachlich und faktenorientiert.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse4 / 4

Prüftransparenz

Die Langzeitangaben des Mediendienstes beruhen auf der Polizeilichen Kriminalstatistik und Bevölkerungsdaten. Ergänzend wurden für 2023 bis 2025 Tatverdächtigenzahlen des BKA mit Bevölkerungszahlen aus dem Ausländerzentralregister verglichen.

Für Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße wurde ausschließlich der offizielle PKS-Summenschlüssel 890000 verwendet; Tatverdächtigenzahlen verschiedener Deliktgruppen wurden nicht voneinander subtrahiert.

Die Auswertung unterscheidet zwischen allgemeinen Straftaten und einzelnen Deliktgruppen wie Gewaltkriminalität. Staatsangehörigkeit ist dabei nicht mit Migrationshintergrund gleichzusetzen.

Die PKS erfasst Tatverdächtige und keine Verurteilten und bildet nur das polizeilich bekannte Hellfeld ab. Außerdem können unter nichtdeutschen Tatverdächtigen Personen ohne dauerhaften Wohnsitz in Deutschland enthalten sein.

Die vorliegenden Daten sind noch nicht nach Alter, Geschlecht, sozialer Lage oder Aufenthaltsstatus bereinigt. Aus den dargestellten Unterschieden werden deshalb keine individuellen Kriminalitätsrisiken und keine Kausalität zwischen Staatsangehörigkeit beziehungsweise Migration und Kriminalität abgeleitet.

Wirkungs-Check

Betrifft's dich?

60% Wirkung

Die öffentliche Wahrnehmung von Migration und Kriminalität wird beeinflusst, da statistisch keine Zunahme der Kriminalität durch Migration belegt ist.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse1 / 3

Sicherheitsrisiko?

10% Wirkung

Kein Sicherheitsrisiko für Deutschland, da die Kriminalitätsrate trotz Migration nicht gestiegen ist.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse2 / 3

Historisch?

75% Wirkung

Historische Daten zeigen, dass Migration in den letzten 20 Jahren die Kriminalität nicht erhöht hat, was Vorurteile widerlegt.

Bewertung basiert auf KI-gestützter Analyse3 / 3

Warum ist diese Schlagzeile des Artikels wahrscheinlich eine analyse

Die Frage lässt sich nicht mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten. Auf der langfristigen Gesamtebene zeigt sich kein einfacher Zusammenhang, wonach eine wachsende ausländische Bevölkerung automatisch zu einer höheren allgemeinen Kriminalitätsrate führt.

Dieser Befund des Mediendienstes ist durch die verwendeten Langzeitdaten gedeckt. Die detaillierte PKS-Auswertung zeigt jedoch, dass sich darunter unterschiedliche Entwicklungen verbergen.

Zwischen 2023 und 2025 sank die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße leicht, während sie bei Gewaltkriminalität stieg. Auch einzelne Staatsangehörigkeiten entwickeln sich deutlich unterschiedlich.

Deshalb reicht weder die Gesamtsumme aus, um einen Einfluss von Migration generell auszuschließen, noch erlauben Tatverdächtigenzahlen allein den umgekehrten Schluss, Migration sei die Ursache höherer Kriminalitätsbelastung. Entscheidend sind Delikt, Zeitraum, Bevölkerungsstruktur und die jeweils betrachtete Gruppe.

Diese Analyse basiert auf einem journalistischen Beitrag von mediendienst-integration.de. Bewertung und Einordnung wurden KI-gestützt erstellt.

KI-Transparenz

Diese Analyse wurde mit KI-gestützten Systemen erstellt, strukturiert und redaktionell geprüft. Die Bewertung bezieht sich auf die konkret geprüfte Aussage und basiert auf den angegebenen Quellen.

Methodik & KI-Transparenz